Montag, 19. Mai 2008

Nicht ohne meinen Apotheker!


Happy Birthday, Buddha!

In Singapur wird an Feiertagen noch richtig gefeiert. So auch heute, am Vesak Day, da feiert man den Geburtstag des Buddha. In Singapurs größter buddhistischer Tempelanlage, dem Kong Meng San Phor Kark See Monastery, fand denn heute auch eine Geburtstagsparty statt. Hunderte von Menschen sind dafür in den Tempel gekommen. In langen Reihen prozessieren die Gläubigen vor den Statuen der Buddhas entlang, beten kniend oder stehend, zünden Räucherstäbchen an. In der Hall of No Form, dem vierten Stock des größten Gebäudes im Tempel, wird vor einer 13,8 Meter hohen bronzenen Buddha-Statue meditiert - oder einfach die Kühle genossen: draußen ist es heute etwa 40 Grad heiß.
Es herrscht Volksfest-Atmosphäre. Für Kinder gibt es Spielgelegenheit, Gesundheitsbewusste können auf dem 'Vegetarian Food Fair' mineralstoffhaltiges Wasser und ökologisch angebauten Reis kaufen, und für die Hungrigen gibt es im Basement des großen Tempelgebäudes eine Kantine, die Nudelsuppe serviert, und die um die Mittagszeit mehr als gut besucht ist.
In der 'Pagode der 10.000 Buddhas' gibt es eine große Ausstellung über die Lehren des Buddhismus, hier wird Werbung gemacht für ein gesundes Leben im Einklang mit sich und der Welt. Es werden Musik-CDs und Bücher verkauft, und Filme gezeigt, die erklären, warum es besser ist, Vegetarier zu sein. Da wird auch gern zu drastischen Mitteln gegriffen: Neben dem schuldlos erhängten Suppenhuhn aus Styropor gemahnt eine große Tafel daran, dass schließlich auch Berühmtheiten wie John Lennon, Brad Pitt, Popeye und Lisa Simpson berühmte Vegetarier sind oder waren.
Man könnte meinen, der Trubel lenke vom Wesentlichen ab. Doch das stimmt nicht. Man kann es spüren: Die Menschen kommen hierher, um dem Buddha ihre Aufwartung zu machen, und das hat wenig Weltfremdes oder gar Besinnliches an sich, ist so ganz anders als wir es aus den Kirchen kennen. Die ausgestellte hölzerne Gebetsmühle efreut sich großer Beliebtheit und wird eifrig gedreht, vor allem von den Kindern. Religion zum Anfassen.
Hier gehts zum Fotoalbum.

Sonntag, 24. Februar 2008

Nahost in Fernost

Über Chinatown habe ich aus gegebenem Anlass bereits ausgiebig berichtet. Doch es gibt noch mehr 'originäre' Stadtteile in Singapur: Wenige Straßen von Little India entfernt (dazu bei Gelegenheit mehr), liegt das Arab Quarter, das einstige malayische Kampong Glam. Stadtgründer Raffles wies diesen Bezirk Anfang des 19. Jahrhunderts dem Sultan Hussein und seiner Familie als Residenz zu, worauf sich weitere arabische Händler aus dem heutigen Gebiet des Yemen hier ansiedelten. Das winzige Viertel besteht aus gerade mal vier oder fünf größeren Straßen: Baghdad Street, Muscat Street, Haji Lane, so heißen sie, und mit der Sultan Moschee bilden sie das religiöse Zentrum der Muslime in Singapur. Allerdings ist es dort nicht annähernd so authentisch arabisch-quirlig, wie die Reiseführer uns glauben machen wollen. Von brodelndem Basar und feilschenden Händlern keine Spur. Man trifft eher auf einen gezähmten, wohlgeordneten Orient - wie man ihn in Singapur eben erwarten darf.
Tatächlich aber sieht man auch viele Einheimische in den Straßen, die Moschee ist gut besucht, und die Foodstalls bieten hier besonders viel Halal Food, nach muslimischen Richtlinien zubereitetes Essen. Die Souvenirläden, Cafés und auch der muslimische Buchladen sind jedoch mehr für Touristen ausgelegt, die hier zahlreich vertreten sind. Und so habe denn auch ich, begleitet von den hier sehr leise ausfallenden Klagegesängen des Muezzin (schließlich gibt es noch andere Religionen) meinen ersten marokkanischen Pfefferminztee seit gut sechseinhalb Jahren genossen. Lecker!

Samstag, 9. Februar 2008

Was macht der Lemur...

...denn in Singapur? Außer sich reimen und in der Nase bohren nicht viel, denn er ist aus Madagaskar importiert, und deshalb kann man ihn nur im Singapore Zoo bewundern. Außer Lemuren gibt es dort noch jede Menge andere Affen, außerdem Tiger, Hippos, Tapire, Seelöwen, Pinguine, Krokodile, Schlangen, Vögel, Giraffen - was eben so dazu gehört. Übrigens beherbergt der Zoo auch eine der größten Ratten der Welt - wenn das kein erfolgreiches Jahr wird! Singapurs Zoo ist an drei Seiten von einem großen See umgeben, und es gibt auch einige wunderschöne Gärten. Sehr gut ist auch, dass man hier weitgehend ohne Gehege auskommt, so dass die meisten Tiere, vor allem die Affen, sich ganz frei bewegen können. Aber Krokodile, Schlangen und Tiger werden, sicher vor neugierigen Kinderhänden, hinter Panzerglas oder mit gebührendem Abstand gehalten, und das meist auf großem Raum.
Wer Flora und Fauna bewundern möchte, findet hier die schönsten Bilder von meinem heutigen Besuch im Zoo.

P.S.: Leider habe ich versäumt, den Lemur nach seinem Namen zu fragen!

Freitag, 8. Februar 2008

Gut gebrüllt, Löwe?

Singapur - das klingt exotisch. Doch was bedeutet der Name eigentlich? Der Name ist indischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus den Wörtern singha (Löwe) und pura (Stadt). "Löwenstadt" also.
Der hübschen Legende nach flüchtete im 14. Jahrhundert ein Hindu-Prinz aus Sumatra nach Singapur, das damals noch Temasek hieß. Der Prinz soll im dichten Dschungel, von dem Singapur zu dieser Zeit noch überwuchert war, einen Löwen gesehen haben und, beeindruckt von diesem Erlebnis, der Stadt ihren späteren Namen gegeben haben. Der Haken an der Geschichte: Hier gibt es keine Löwen, und es hat wohl auch nie welche gegeben. Wahrscheinlicher ist, dass der Prinz einem Tiger begegnet ist - doch dem, der sich urplötzlich so einem Raubtier gegenüber sieht, sei ein solcher Irrtum durchaus zugestanden.
Der Löwe hat in Singapur inzwischen einen fischigen Unterleib bekommen und ist als Merlion das Wahrzeichen der Stadt. Auf Sentosa, der hiesigen künstlichen Spaß-Insel, kann man sogar in ihm herumlaufen. Der Tiger hat auf andere Art seine Spur hinterlassen...

Donnerstag, 7. Februar 2008

Prosit Ratte!













Es mag dem einen oder anderen so erscheinen, als würde dem chinesischen Neujahrsfest in diesem Blog recht viel Platz eingeräumt. Stattgegeben. Doch muss man sich einfach die asienweite Bedeutung dieses Festes vor Augen halten: es ist das Fest des Jahres. Zwar gibt es noch genügend andere multikulturelle Feste in Singapur, aber keines bietet so gute Gelegenheit oder eine bessere Rechtfertigung für ein paar Tage Urlaub.
Menschenmassen gibt es derzeit nur zum Drachentanz und zum nächtlichen Feuerwerk in Chinatown; das eigentliche Fest jedoch wird im Kreis der Familie gefeiert, am ersten Neujahrstag mit Eltern, Geschwistern, Kindern, am zweiten dann besucht man auch die entferntere Verwandtschaft. Dementsprechend sind die Straßen von Singapur heute und morgen leerer und trostloser als an einem verschlafenen Sonntag-Nachmittag - die Ruhe nach dem Sturm. Geschäfte und Büros sind zu, niemand arbeitet, bereits seit einer Woche ist eine deutliche Verlangsamung des ansonsten regen Geschäfttreibens zu spüren. Die Food Courts sind geschlossen, und es ist wirklich schwierig, außerhalb eines Restaurants etwas zu essen zu bekommen, außer man kocht selbst.
Das Positive daran: Die Fahrt zur Arbeit hat heute nur 45 Minuten gedauert, in der MRT gab es sogar einen Sitzplatz, und: man kommt endlich mal in Ruhe zum Arbeiten.
In diesem Sinne: Happy New Year!

Samstag, 2. Februar 2008

Tür zu!

In einer Stadt mit so wenig Platz und so vielen Hochhäusern gibt es naturgemäß viele Aufzüge. Innen haben diese neben den Knöpfen für die verschiedenen Stockwerke immer auch eine 'Tür-auf-' und eine 'Tür-zu'-Taste. Man braucht nicht einmal genauer hinzusehen, um festzustellen, dass die letztere meist deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen ist als die erstgenannte.
Tatsächlich ist die 'Tür-zu'-Taste die meistgenutzte Taste in allen singapurischen Aufzügen. Sobald alle Auf- oder Abfahrtswilligen den Lift betreten oder verlassen haben, findet sich ein Freiwilliger, der - meist nicht nur einmal, sondern mehrfach heftig - den 'Tür-zu'-Knopf betätigt. Sollte derjenige aussteigen, ist sofort ein anderer Mitfahrer bereit, diese wichtige Rolle zu übernehmen. Und in der Tat schließt sich die Aufzugtür dadurch um einige Zehntelsekunden schneller!
Wie groß wohl die tägliche Zeitersparnis in ganz Singapur ist, wenn man all die gewonnenen Sekunden aus allen Liften zusammenzählt?