Samstag, 11. Oktober 2008

Let it snow!

Als Einstimmung auf den mir bevorstehenden Winter in Deutschland haben wir Snow City einen Besuch abgestattet. Snow City in Singapur ist der kleine (sehr kleine) Bruder des Snow Parks in Dubai, und nicht mal der Busfahrer konnte uns sagen, an welcher Haltestelle wir dafür aussteigen müssen. Schon der Eingang verspricht kein wirklich herausragendes Erlebnis. Hinter dem etwas nüchternen, mit weißen und blauen Tannenbäumen bemalten Eingangsbereich kann man gefütterte Schneehosen, miefige, feuchte Schuhe und olle Handschuhe leihen. Weiter geht's in den Jacket Room, wo man sich eine der ranzigen roten oder blauen gesteppten Winterjacken aussuchen kann, die auch nach mehreren Jahren Benutzung noch nie eine Waschmaschinentrommel von innen gesehen haben. Ach ja, Ski und Snowboard gebe es nur am Abend, werden wir informiert, jetzt könne man nur mit Snowtubes (Reifen) rutschen. Egal, für eine Stunde Winterspaß nehmen wir all das in Kauf!
Nach dem Betreten der dürftig aber irgendwie doch liebevoll dekorierten Halle wird uns schlagartig klar, warum erstens niemand Snow City kennt, und warum zweitens hier das Fotografieren verboten ist: Außer einem kleinen Bereich gegenüber dem Halleneingang, in dem Eisskulpturen als Fotokulisse stehen (natürlich werden hier vom Personal Bilder gemacht, die dann draußen für teuer Geld verkauft werden), und einer Bar, die nicht bewirtschaftet ist, besteht die gesamte Halle aus einem einzigen, etwa zehn Meter breiten und 60 Meter langen Hang, an dessen Seite man hinaufgehen und auf dem man mit seinem Reifen - oder eben abends mit Skiern - hinunterrutschen kann. Übrigens schon eine Gaudi - aber es erklärt sich auch, warum man Tickets für maximal zwei Stunden erwerben kann.
Nach dreimal Reifenrutschen und Fotografiert werden entscheiden wir uns, den -5° kalten und charmelosen Raum zu verlassen und uns wieder der Tropensonne auszusetzen, erleichtert über die Erkenntnis, dass der Busfahrer - wie die meisten Singapurer - keine wirkliche Wissenslücke hat.

Montag, 6. Oktober 2008

Dschungel-Joggen

Etwa eine Stunde dauert mein morgendlicher Weg zur Arbeit, runter in die Innenstadt von Singapur. Ganz schön weit. Doch belohnt werde ich im Gegenzug mit einer naturnahen Wohngegend, nämlich direkt am Bukit Timah Nature Reserve, einer etwa 1,6 Quadratkilometer großen Fläche, auf der das älteste Stück ursprünglicher Regenwald von Singapur steht. Das Gebiet befindet sich rund um Singapurs höchste Erhebung, die ganze 164 Meter hoch ist. Man darf sich das dennoch nicht vorstellen wie unberührten Dschungel; man sieht hier zwar erwartungsgemäß all die hohen Bäume, Farne, Lianen und riesigen Blätter, und es trollen sich dort Affen, Echsen, Eichhörnchen, Schlangen und jede Menge Vögel und Insekten - wie sich das für echten Urwald gehört. Doch es gibt rund um den Hügel (malayisch: bukit) auch den von Menschenhand angelegten und gepflegten Mountainbike-Trail, auf dem ich so gern meine wochenendlichen Laufrunden drehe, eine mit hohen Zäunen abgesperrte Betonburg auf der Spitze des Hügels, von dem man - wegen der Urwaldriesen - keine Aussicht hat, sowie eine große Schießanlage im Tal, die man zwar nicht einsehen, aber deren Besucher man um so besser hören kann. Nichtsdestoweniger hat man es mit einem Stück echter alter tropischer Natur zu tun, und mir ist dieses kleine Stück natürliches Singapur so richtig ans Herz gewachsen! Bilder von meiner Lieblingslaufstrecke gibt es im Fotoalbum.

Sonntag, 28. September 2008

KL Insights

Kuala Lumpur, die Hauptstadt von Malaysia, wird hier grundsätzlich nur KL genannt. Schon allein wegen der Petronas Twin Towers sollte KL einen Besuch wert sein, weshalb meine Mitbewohnerin Kathi und ich uns zu einem Wochenendtrip entschieden haben. Für die (kostenlose) Eintrittskarte, von denen täglich etwa 1.600 Stück ausgegeben werden, haben wir zwei Stunden angestanden. Ob sich das für die Aussicht aus dem 41. Stock gelohnt hat? Es ist auf jeden Fall kein Vergleich mit dem Blick auf Singapur aus dem 71. Stock des Swisshotels, der New Asia Bar.
KL ist mit etwa 1,5 Mio. Einwohnern eine der kleineren Großstädte Südostasiens und vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Singapur einmal gewesen sein könnte, und man kann sehr gut erkennen, dass KL ganz schnell dahin möchte, wo Singapur schon ist - auch und vor allem, was die Verbotslisten für das Benutzen der U-Bahn angeht...
Mehr Bilder gibt es hier.

Samstag, 20. September 2008

"Madam, I on the light for you!"

Was wäre Singapur ohne Singlisch? Sicher nur halb so lustig und halb so interessant, vor allem für mich als Sprachliebhaberin.
Was also ist Singlisch? Vereinfacht gesagt, die in Singapur gesprochene Variante des Englischen, die nicht nur im Wortschatz, sondern auch im Hinblick auf die (fehlende) Flexion stark asiatisiert ist. Singlisch ist heftigst durchmischt von vorrangig malayischen und chinesischen Wendungen. Diese sind zum Teil wörtlich übersetzt ins Englische, wie zum Beispiel das typische "can", was soviel bedeutet wie "ja" (ke yi) oder "no have" (méi you). Auf dem zweiten Link kann man sich die chinesische Aussprache anhören.
Doch es gibt auch jede Menge Originalwortschatz, wie z.B. kiasu (Hokkien: "um-keinen-Preis-verlieren-wollend"), oder makan (malayisch: "essen").
Meine Chinesisch-Stunden waren nicht umsonst, denn nun erklärt sich beinahe wie von selbst, dass Wortstellung und Satzstruktur nahezu eins zu eins aus den asiatischen Sprachen übernommen sind, ebenso so manche grammatische Besonderheit, wie z.B. fehlende Personal- und Tempusangaben am flektierten Verb:
So kann "I clean my room" bedeuten, dass ich gerade dabei bin, es zu tun; je nach Kontext kann es aber auch gestern schon passiert sein, oder es wird deutlich, dass die Aufräumaktion erst für kommende Woche geplant ist.
Die Satzmelodie ist sehr eigen und klingt immer leicht vorwurfsvoll; Vokale werden gern in die Länge gezogen, und beinahe jeder Satz endet mit 'aah' oder 'lah!', beides Bekräftigungsfloskeln, derer es noch eine ganze Menge mehr gibt.
Man muss es einfach mal gehört haben, deshalb verweise ich auf You Singaporean? auf Youtube, ein durchaus vordergründiges, aber sehr liebenswertes Hörbeispiel (mit Untertiteln).

Mittwoch, 20. August 2008

Ganz in weiß...

...erstrahlt die Dairy Farm nach der intensiven Renovierung. Unser Condo sieht jetzt wieder aus wie mit Perwoll gewaschen. Dafür haben wir auch wochenlang das Piepsen des fahrbaren Krans und den Gesang der indischen Arbeiter in Kauf genommen...

Donnerstag, 7. August 2008

Mission Äquator

Das Seminar für Science Fiction Film (SfSFF) hat sich im Juli dieses Jahres einer besonderen Aufgabe gestellt: Wir wollten den Äquator finden und selbigen 42 Mal überqueren. Auf Sumatra, westlich von Bukittinggi, am Strand des kleinen Dörfchens Sasak konnte tatsächlich mittels Kompass und wertvollen Daten aus Google Earth die Lage des Äquators bis auf wenige Meter genau bestimmt werden. Die 42-fache Überquerung konnte stattfinden und Anwohner, deren Haus direkt auf dem Äquator steht, wurden beglückwünscht. Die Mission war ein voller Erfolg. Das SfSFF dankt seinen Mitgliedern Kati Taramtam, Mülli Idüllüschön und Edgar Lösel, sowie unserem geduldigen Helfer und Fahrer Ricardo Travina, ohne dessen VW-Bus uns die Entdeckung nicht möglich gewesen wäre. Ganz nebenbei haben wir uns auch noch ein wenig auf Sumatra umgeschaut, u.a. in Padang und Umgebung. Bilder von unserer Seminar-Expedition finden sich im Fotoalbum.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Angkor Wat

Von Hanoi aus führt uns die Reise nach Siem Riep, Kambodscha, und zum Angkor Wat. Die mittelalterlichen Tempelanlagen mit ihren ungeheuren Ausmaßen und ihrem einzigartigen Baustil sind mehr als beeindruckend. Zwei Tage reichen eigentlich nicht aus, um sich wirklich ein Bild zu machen, aber die wichtigsten Tempel bekommt man schon zu sehen. Unser absoluter Favorit: Ta Prohm.
Das Spannende: Offensichtlich war das Mittelalter nicht nur in Europa eine Blütezeit, sondern auch im asiatischen Teil der Welt. Die Khmer-Könige haben über Jahrhunderte an dieser Tempel- und Palastanlage bauen lassen, freilich auf Kosten ihrer Untertanen, was schließlich, so vermutet man, zum Untergang dieses einst so mächtigen Reiches geführt hat. Einen Großteil unseres Wissens heute verdanken wird dem chinesischen Diplomaten Zhou Daguan, der im Jahr 1296 nach Angkor kam, und dessen Abriss über die Sitten und Gebräuche der Khmer das wohl einzige Originalzeugnis seiner Zeit ist.
Eins ist auch klar: Siem Riep ist nicht Kambodscha. Die kleine Stadt lebt vom und für den Tourismus. Das zeigt sich an Tuktuk-Preisen ebenso wie an den zahlreichen Bauprojekten für noch mehr Hotels und Ferienwohnanlagen.
Den großen Andrang reicher Menschen auf der Suche nach Kultur hat sich auch ein ortsansässiger Schweizer Kinderarzt zu nutze gemacht: Dr. Beat Richner, der seit den 70er Jahren in Kambodscha tätig war, musste das Land während der dunklen Zeit der Roten Khmer verlassen. Seit 1991 ist er auf Wunsch der kambodschanischen Regierung wieder zurück und hat seine Arbeit an den mittlerweile drei Kinderkliniken wieder aufgenommen. Er ist nicht nur ein engagierter Arzt, sondern auch ein exzellenter Cellist. Als Beatocello tritt er jeden Samstag abend in der Konzerthalle von Siem Reap auf und kann so durch Spenden und Publicity seine Arbeit an den Krankenhäusern finanzieren. Er ist nicht unumstritten, da er sich offen gegen die Politik der WHO wendet. Wer Interesse hat und Beat Richners Initiative unterstützen möchte, kann sich auf dem Link weiter schlau lesen.
Bilder von unseren Streifzügen durch die Stadt Angkor und ihre Tempel gibt es hier.