Donnerstag, 16. Oktober 2008

Bye bye Team SG!

Der Abschied von den Kollegen fällt schwer. Nach fast einem Jahr enger, internationaler Zusammenarbeit mache ich mich auf ins heimische Headquarter. Den Bleibenden wünsche ich weiterhin viel Erfolg, und dass das gelingt, wozu wir letztes Jahr ausgezogen sind: Den Standort Singapur für AEB zu einem eigenständigen und erfolgreichen Unternehmen zu machen. Und dass alle weiterhin so viel Spaß am gemeinsamen Arbeiten haben.
Bilder vom Office-Abschied gibts hier.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Kopi-C, Kopi-O...

Malaysischer Kaffee ist nichts für schwache Nerven. Kein Vergleich mit italienischem Espresso, der schon auch mal für Dauerwach und Magenproblem sorgen kann. Es gibt Kopi-O (O für Null, also ohne alles), Kopi-C (C für condensed milk) oder einfach nur Kopi (dann mit dicker gesüßter Milch, dafür ohne Zucker). Der Kopi ist so stark, dass selbst die in großen Mengen hinzugefügte Kondensmilch nur schwerlich die tiefschwarze Farbe aufzuhellen vermag. Mein Magen-Darm-Trakt zeigte sich entsprechend nicht sehr aufgeschlossen. Deshalb bestand mein allmorgendliches Frühstück seit fast einem Jahr aus Tea-C (sprich: tähssi), einem starken schwarzen Tee (Tee gibt es in den gleichen Varianten wie Kaffee) plus einem Sojabohnenpfannkuchen mit Erdnussbutter (peanut pancake klingt viel besser, finde ich).
Den Tee oder Kaffee bekommt man in einem der vielen chinesischen oder malayischen Coffeeshops, zum Beispiel bei Ya Kun, die fast überall in Singapur vertreten sind und lokales Frühstück anbieten: Kaffee oder Tee, dazu Kaya Toast, Toast mit einem grünen Aufstrich, der aus Pandan leaves, Kokosmilch und Ei hergestellt wird. Er schmeckt nicht grün, sondern vor allem süß. Außerdem sind auf dem Toast noch kalte Butterscheiben, leicht gesalzen. Ein fragwürdiges Erlebnis für die Geschmacksnerven, aber man kann's schonmal essen. Dazu gibt's kaum gekochte Eier. Lecker. Ich ziehe den Peanut pancake vor. Der wird von freundlichen chinesischen Damen an Ständen der Firma Jollibean immer frisch gebacken. Neben Erdnussfüllung ist auch eine süße Füllung aus roten Bohnen beliebt, oder Schokolade, oder Pandan, oder... Auf jeden Fall etwas, was ich schwer vermissen werde!
Danke an die netten Ladies von Ya Kun in Funan, die sich, sobald sie mich von weitem sehen konnten, schon meine Bestellung Tea-C dài zou zugerufen haben.

Samstag, 11. Oktober 2008

Happy Deepavali!

Ende Oktober ist Deepavali, das Lichterfest. In etwa das Äquivalent zum Erntedankfest, wird an diesem Festtag die hinduistische Göttin des Wohlstandes, Lakshmi, verehrt. Ganz Little India steht dann Kopf und ist wunderschön beleuchtet. Die Tempel sind bis in die Nacht geöffnet, und es gibt jede Menge Nachtmärkte für Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse, Blumen, Klamotten.
Auch wenn gerade kein Festival ist, ist in Little India richtig was los. Wie auch im Arab Quarter lebten hier zunächst die als Fremdarbeiter ins Land gekommenen Menschen, in diesem Fall indischer Abstammung, deren größter Anteil heute Tamilen sind. Deshalb ist auch Tamil (und nicht etwa Hindi) eine der vier offiziellen Landessprachen Singapurs, und neben Bollywood-Schmachtfetzen (u.a. mit dem auch hier megabeliebten Shahrukh Khan) sind hier auch Tamil movies sehr beliebt.
Heute ist Little India kein Wohnviertel mehr, sondern ein kulturell und kulinarisch sehr interessantes Viertel. Hier gibt es jede Menge indisches Essen, jede Menge Läden, die Telefonkarten, Kleidung, Gewürze und billigsten Tand verscherbeln, Kosmetikhäuser, Schneidereien, Vegetariertreffs, bunte Hindutempel, schräge Bars mit indischen Tänzerinnen, und, last but noch least, das wohl berühmteste 24-Stunden-Kaufhaus, Mustafa Center. Ein paar visuelle Eindrücke gibt es in meinem Abschiedsfotoalbum.
Das Bild zeigt das Dach des Sri Veeramakaliamman Tempels, in dem die Göttin Kali, Gattin des Shiva und Mutter von Ganesh, dem Gott mit dem Elefantenkopf, verehrt wird.

Let it snow!

Als Einstimmung auf den mir bevorstehenden Winter in Deutschland haben wir Snow City einen Besuch abgestattet. Snow City in Singapur ist der kleine (sehr kleine) Bruder des Snow Parks in Dubai, und nicht mal der Busfahrer konnte uns sagen, an welcher Haltestelle wir dafür aussteigen müssen. Schon der Eingang verspricht kein wirklich herausragendes Erlebnis. Hinter dem etwas nüchternen, mit weißen und blauen Tannenbäumen bemalten Eingangsbereich kann man gefütterte Schneehosen, miefige, feuchte Schuhe und olle Handschuhe leihen. Weiter geht's in den Jacket Room, wo man sich eine der ranzigen roten oder blauen gesteppten Winterjacken aussuchen kann, die auch nach mehreren Jahren Benutzung noch nie eine Waschmaschinentrommel von innen gesehen haben. Ach ja, Ski und Snowboard gebe es nur am Abend, werden wir informiert, jetzt könne man nur mit Snowtubes (Reifen) rutschen. Egal, für eine Stunde Winterspaß nehmen wir all das in Kauf!
Nach dem Betreten der dürftig aber irgendwie doch liebevoll dekorierten Halle wird uns schlagartig klar, warum erstens niemand Snow City kennt, und warum zweitens hier das Fotografieren verboten ist: Außer einem kleinen Bereich gegenüber dem Halleneingang, in dem Eisskulpturen als Fotokulisse stehen (natürlich werden hier vom Personal Bilder gemacht, die dann draußen für teuer Geld verkauft werden), und einer Bar, die nicht bewirtschaftet ist, besteht die gesamte Halle aus einem einzigen, etwa zehn Meter breiten und 60 Meter langen Hang, an dessen Seite man hinaufgehen und auf dem man mit seinem Reifen - oder eben abends mit Skiern - hinunterrutschen kann. Übrigens schon eine Gaudi - aber es erklärt sich auch, warum man Tickets für maximal zwei Stunden erwerben kann.
Nach dreimal Reifenrutschen und Fotografiert werden entscheiden wir uns, den -5° kalten und charmelosen Raum zu verlassen und uns wieder der Tropensonne auszusetzen, erleichtert über die Erkenntnis, dass der Busfahrer - wie die meisten Singapurer - keine wirkliche Wissenslücke hat.

Montag, 6. Oktober 2008

Dschungel-Joggen

Etwa eine Stunde dauert mein morgendlicher Weg zur Arbeit, runter in die Innenstadt von Singapur. Ganz schön weit. Doch belohnt werde ich im Gegenzug mit einer naturnahen Wohngegend, nämlich direkt am Bukit Timah Nature Reserve, einer etwa 1,6 Quadratkilometer großen Fläche, auf der das älteste Stück ursprünglicher Regenwald von Singapur steht. Das Gebiet befindet sich rund um Singapurs höchste Erhebung, die ganze 164 Meter hoch ist. Man darf sich das dennoch nicht vorstellen wie unberührten Dschungel; man sieht hier zwar erwartungsgemäß all die hohen Bäume, Farne, Lianen und riesigen Blätter, und es trollen sich dort Affen, Echsen, Eichhörnchen, Schlangen und jede Menge Vögel und Insekten - wie sich das für echten Urwald gehört. Doch es gibt rund um den Hügel (malayisch: bukit) auch den von Menschenhand angelegten und gepflegten Mountainbike-Trail, auf dem ich so gern meine wochenendlichen Laufrunden drehe, eine mit hohen Zäunen abgesperrte Betonburg auf der Spitze des Hügels, von dem man - wegen der Urwaldriesen - keine Aussicht hat, sowie eine große Schießanlage im Tal, die man zwar nicht einsehen, aber deren Besucher man um so besser hören kann. Nichtsdestoweniger hat man es mit einem Stück echter alter tropischer Natur zu tun, und mir ist dieses kleine Stück natürliches Singapur so richtig ans Herz gewachsen! Bilder von meiner Lieblingslaufstrecke gibt es im Fotoalbum.

Sonntag, 28. September 2008

KL Insights

Kuala Lumpur, die Hauptstadt von Malaysia, wird hier grundsätzlich nur KL genannt. Schon allein wegen der Petronas Twin Towers sollte KL einen Besuch wert sein, weshalb meine Mitbewohnerin Kathi und ich uns zu einem Wochenendtrip entschieden haben. Für die (kostenlose) Eintrittskarte, von denen täglich etwa 1.600 Stück ausgegeben werden, haben wir zwei Stunden angestanden. Ob sich das für die Aussicht aus dem 41. Stock gelohnt hat? Es ist auf jeden Fall kein Vergleich mit dem Blick auf Singapur aus dem 71. Stock des Swisshotels, der New Asia Bar.
KL ist mit etwa 1,5 Mio. Einwohnern eine der kleineren Großstädte Südostasiens und vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Singapur einmal gewesen sein könnte, und man kann sehr gut erkennen, dass KL ganz schnell dahin möchte, wo Singapur schon ist - auch und vor allem, was die Verbotslisten für das Benutzen der U-Bahn angeht...
Mehr Bilder gibt es hier.

Samstag, 20. September 2008

"Madam, I on the light for you!"

Was wäre Singapur ohne Singlisch? Sicher nur halb so lustig und halb so interessant, vor allem für mich als Sprachliebhaberin.
Was also ist Singlisch? Vereinfacht gesagt, die in Singapur gesprochene Variante des Englischen, die nicht nur im Wortschatz, sondern auch im Hinblick auf die (fehlende) Flexion stark asiatisiert ist. Singlisch ist heftigst durchmischt von vorrangig malayischen und chinesischen Wendungen. Diese sind zum Teil wörtlich übersetzt ins Englische, wie zum Beispiel das typische "can", was soviel bedeutet wie "ja" (ke yi) oder "no have" (méi you). Auf dem zweiten Link kann man sich die chinesische Aussprache anhören.
Doch es gibt auch jede Menge Originalwortschatz, wie z.B. kiasu (Hokkien: "um-keinen-Preis-verlieren-wollend"), oder makan (malayisch: "essen").
Meine Chinesisch-Stunden waren nicht umsonst, denn nun erklärt sich beinahe wie von selbst, dass Wortstellung und Satzstruktur nahezu eins zu eins aus den asiatischen Sprachen übernommen sind, ebenso so manche grammatische Besonderheit, wie z.B. fehlende Personal- und Tempusangaben am flektierten Verb:
So kann "I clean my room" bedeuten, dass ich gerade dabei bin, es zu tun; je nach Kontext kann es aber auch gestern schon passiert sein, oder es wird deutlich, dass die Aufräumaktion erst für kommende Woche geplant ist.
Die Satzmelodie ist sehr eigen und klingt immer leicht vorwurfsvoll; Vokale werden gern in die Länge gezogen, und beinahe jeder Satz endet mit 'aah' oder 'lah!', beides Bekräftigungsfloskeln, derer es noch eine ganze Menge mehr gibt.
Man muss es einfach mal gehört haben, deshalb verweise ich auf You Singaporean? auf Youtube, ein durchaus vordergründiges, aber sehr liebenswertes Hörbeispiel (mit Untertiteln).